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The Artist´s Way for Parents – Ein Reisebericht: Teil 1 – Vorbereitungen

Julia Cameron´s Buch „The Artist´s Way” begleitet mich schon lange.

Ihr Buch „The Artist´s Way for Parents“ hat mir eine Freundin empfohlen und schon nach dem Vor-Vorwort gab es kein Entrinnen mehr…:

„Parenting is a great adventure. Awakening your child´s sense of curiosity and wonder helps you reawaken your own. Reawakening your own sense of curiosity and wonder helps you awaken your child´s.”

„Eltern sein ist ein großes Abenteuer. Die Neugier und das Staunen Deines Kindes zu erwecken, hilft Dir, Dein eigenes wiederzuerwecken. Deine eigene Neugier und Dein Staunen wiederzuerwecken, hilft Dir, das Deines Kindes zu erwecken.“

Beim Weiterblättern erkannte ich viele Parallelen zu meinen Erfahrungen als Kind, zu meinen Erfahrungen in der kunsttherapeutischen und kreativen Arbeit mit Kindern und Eltern und ich fragte mich nun, wie ich es als Mutter schaffen könnte, meiner Tochter (gerade 14 Monate alt :-)) ein schöpferisches Leben zu ermöglichen.
Im Spagat zwischen „Sei kreativ, aber mal mir nicht das Sofa an.“

Deshalb werde ich das Buch ganz genau lesen, die Essenz für Dich zusammenfassen und mit meinen eigenen biographischen Erfahrungen als Kind, als Kunsttherapeutin und als Mama anreichern.

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Im Vorwort beschreibt Julia Camerons Tochter Domenica, wie ihre Tochter Serafina gerade die Welt entdeckt. Sie schreibt über das Staunen. Über die vielen „ersten Male“. Über das Funkeln in den Augen. Über das Spielen. Und sie schreibt über sich selbst. Über ihr Finden der Mutter-Rolle zwischen dem Bild der „Mutter, die ich sein sollte“ und der „Mutter, die ich bin“. Über den Alltag zwischen Zweifeln und Schuldgefühlen. Und dass sie sich in diesen Momenten oft an ihre Mutter erinnert: “She did her utmost to provide opportunities for me to grow into who I am – not just grow up.“

Die Beschreibung der verschiedenen Kindheiten von Julia, Domenica und Serafina erinnert mich an Albert Einsteins Zitat:

Creativity is contagious, pass it on.

Ich habe diese ansteckende Kreativität über Generationen hinweg auch erlebt.

Meine Großmutter kannte ich nicht ohne eine Häkel- oder Stricknadel in der Hand. Ihre gestrickten Socken trage ich heute noch. Oder sie hat in ihrem Garten gewerkt, Zwetschken gepflückt und die beste Powidlmarmelade der Welt daraus gemacht.
Mit meiner Tante hab ich stundenlang gezeichnet, Geschichten erzählt und genäht. Meine Mutter hat den Küchentisch regelmäßig für gemeinsame Bastelarbeiten freigeschaufelt. Ostereier färben, Kekse backen, Gips gießen, Plastilin oder Salzteig kneten, Kartoffeldruck, Seidenmalen und vieles mehr. Und auch bei ihr habe ich das Nähen gelernt. Sie hat mir gezeigt, dass man aus Stoff coolere Sachen zaubern kann als Kluppenschürzen (hallo fader Handarbeitsunterricht J)
Mit meinem Vater stand ich stundenlang in der Werkstatt, habe gebohrt, gesägt, geschliffen und lackiert. Oder beim Tapezieren, Parkettboden verlegen und Ausmalen geholfen.

So hab ich das erlebt und bin sehr dankbar dafür. Es ist mir ein großes Anliegen, diesen kreativen Geist auch meiner Tochter weiterzugeben. Dabei geht es mir nicht darum, dass sie toll zeichnen oder malen lernt, sondern dass sie das Staunen und die Neugier auf die Welt behält. Dass sie inspiriert wird, ihr Leben selbst zu gestalten.

Hände bunt

Vorbereitend für den Weg des Künstlers beschreibt Julia Cameron drei Basiswerkzeuge:

*  Morgenseiten

Jeden Morgen drei Seiten schreiben. Mit der Hand. Nur für dich. Du darfst über alles schreiben, solang deine Hand in Bewegung bleibt. Also keine Pause machen und überlegen, welch großartige Gedanken du zu Papier bringen könntest. Sondern einfach Hand und Stift in Bewegung halten. Und wenn du nur drei Seiten lang schreibst: „Ich weiß nicht, was ich schreiben soll“, dann schreibst du eben diesen Satz solange, bis ein anderer Gedanke kommt. Oder du machst Wellenlinien, bis ein Wort oder ein Satz auftaucht. Den Vorteil, den Julia Cameron darin sieht, ist die „Gehirnentleerung“. Sich in den Tag hineinschreiben, keine Zensur, die schreibende Hand bleibt in Bewegung, kein Zurücklesen, kein Korrigieren, Satzzeichen und Grammatik sind nebensächlich, Gedanken dürfen springen, abreißen, kreisen, ziehen,… . Ein gutes Schreibgerät, das leicht übers Papier flutscht und die Schreibhand nicht anstrengt, und los geht’s.

Speziell für Eltern sei es ihrer Meinung nach ein hilfreicher Weg, sich dem Prozess des Elternseins zu stellen. All den begleitenden Gefühlen, die oft intensiv sind, Raum zu geben. Einen sicheren Raum. Einen privaten, tragbaren „room of your own“. Um dir mehr Präsenz im Alltag und mit deinem Kind zu ermöglichen.

Hört sich ja ganz einfach an, irgendwie. Aber wie das so ist im Elternalltag, der Schlaf ist kostbar und dann noch Zeit zum Schreiben finden? In der Früh?

Julia Cameron empfiehlt, soviel zu schreiben, wie dir vor dem Aufwachen deines Kindes möglich ist und die Morgenseiten zu vollenden, wann immer es dir möglich ist. Besser stückchenweise als gar nicht. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass es sie wieder in Kontakt mit ihr selbst gebracht hat, wenn sie sehr aufgewühlt war. Wie eine Art Meditation.

Die Morgenseiten sind für mich oft Morgen-Seiten (morgen fang ich damit an….). Obwohl ich aus Erfahrung weiß, wie wohltuend und manchmal auch erkenntnisreich das Schreiben dieser Morgenseiten ist, schaff ich es dann im Alltag nicht, sie zu integrieren. Früher Morgenmuffel, mittlerweile Live-Wecker in Form meiner Tochter und da ist jede Minute Schlaf in der Früh oft ein Geschenk. Und der Schweinehund bleibt liegen (ein echter Wiener halt J ). Ich starte immer wieder einen Anlauf, schreibe dann im Urlaub, am Wochenende,… Mittlerweile sehe ich es gelassen und denk, ich darf jeden Tag wieder neu anfangen, den Morgenseiten eine Chance zu geben und wenn nicht, dann bloß kein schlechtes Gewissen.
Papier und Stift liegen zumindest bereit, für den Fall der Fälle J

Ich schreibe auf jeden Fall am Abend 1-2 Seiten in meinem Tagebuch. Das konsequent. Oft mit dem schon schlafenden Kind in der Trage. Im gedimmten Licht. Ich merke, dass ich beim Schreiben in gedämpftem oder schummrigem Licht meine Gedanken weniger kontrolliere und meine innere Zensorin austrickse. Manchmal brauche ich meine Farben und Stifte und manchmal Schere, Klebstoff und alte Zeitschriften, um meinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Da gibt’s für mich auch kein Richtig oder Falsch.

Schon als meine Tochter neugeboren war, hatte ich immer mein Tagebuch und einen Stift auf meinem Nachtkästchen und habe im Schein der orangefarbenen Salzkristalllampe geschrieben. Auf einem Arm das schlafende Baby und mit der anderen Hand geschrieben. Auch wenn ich es selbst kaum lesen konnte, da ging es wirklich um die Bewegung des Schreibens, die sich für mich so vertraut angefühlt hat in dieser ganz neuen Welt des Mutterseins. Ein bisschen aus der früheren Zeit hereinholen. Manchmal habe ich auch gekritzelt oder gezeichnet, alles was rauswollte, durfte seinen Platz am Papier finden.
Das war und ist immer Balsam für meine Seele. Und bringt mich in Kontakt mit mir selbst. Und vielleicht verlege ich dieses Ritual auch mal ganz selbstverständlich in die Morgenstunden.  Und vielleicht auch nicht. Auch gut.

* Kreative Expedition

Das ist mein absolutes Lieblings-Tool J

Eine „Entdeckertour“ pro Woche unternehmen, nur Du und Dein Kind. Sie muss nicht groß oder kostspielig sein, Hauptsache der Spaßfaktor stimmt. Je nach Alter des Kindes kann es in die Planung einbezogen werden.

Was macht Deinem Kind momentan Freude, was weckt in Dir Forschergeist und Neugier? Nichts wie hin, egal ob Bücherei, Tiergarten, ein neuer Spielplatz, Rodelhügel, Museum, ein neuer Stadtteil, eine Zugfahrt, …. .

Plan es und trag es in den Kalender ein, damit die Vorfreude auch zum Zuge kommt. Wenn ihr eine mehrköpfige Familie seid, kann jedes Mitglied abwechselnd eine Expedition planen. Es sollte halt nicht unbedingt jedes Mal der Besuch eines Shoppingcenters sein J

Ich liebe diese kreativen Entdeckertouren und hab das schon gemacht, als meine Tochter noch ein Baby war. Anfangs noch kleine Abenteuer, ich wollte sie ja nicht überfordern mit neuen Eindrücken. Die täglichen Spaziergänge nutzen, um neue Wege und Orte zu entdecken. Primär mal für mich, damit mir daheim nicht die Decke auf den Kopf fällt. Und da waren es oft kleine Momente. Das Liftsystem der Wiener Linien entdecken, wenn ich mit dem Kinderwagen unterwegs war. Das Grätzl erforschen, als wir umgezogen sind. Neue Lokale auf Babytauglichkeit prüfen. In der ersten Zeit mit Baby ist ja jeder Tag ein Abenteuer für sich J.  Und auch wenn meine Tochter noch so klein war, hat sie doch gewisse Eindrücke mitgenommen. Ein Ausflug in die Bücherei, zum Markt, auf die Donauinsel, zum Schwimmen, Zugfahren, Omas Garten, Mama-Baby-Yoga, bei einem Straßenmusikanten stehen bleiben, ein Besuch am Weihnachtsmarkt, Bummeln am Flohmarkt, Schaukeln am Spielplatz, Museum,… .

Hier ist Platz für Deine Ideen: Sammle  5 Ideen für kreative Expeditionen !
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Zeig Deinem Kind Deine Welt und lass Dir von ihm seine Welt zeigen.

* Highlight des Tages

Julia Cameron empfiehlt, jeden Abend mit dem Kind die Highlights des Tages zu reflektieren. Was hat Dir heute besonders Spaß gemacht? Woran erinnerst Du Dich heute besonders gern?
Das mache ich von Anfang an mit meiner Tochter, wenn ich das Abendritual übernehme. Während ich sie in der Trage in den Schlaf wiege, erzähle ich ihr, was wir heute gemacht haben, was ihr besonders Freude bereitet hat, was mir Spaß gemacht hat,… .
z.B. Als wir heute den Hund im Park gesehen haben, hast Du Dich gefreut und vor Aufregung gequietscht. Du musstest so viel lachen, als Du Dein Spiegelbild betrachtet hast.
Das Lied „Häschen in der Grube“ hörst du so gerne und tanzt mit. Ich habe es genossen, am Balkon in der Hängematte zu schaukeln. Ich habe mich gefreut, die erste Erdbeere zu pflücken und zu essen. Es macht mir Spaß, mit dir gemeinsam zu tanzen.

Das hilft ihr meines Erachtens, den Tag und all die Eindrücke nochmal zu sortieren und zur Ruhe zu kommen. Und mir hilft es, vor allem an anstrengenden Tagen (ich sage nur  Wachstumsschub, zahnendes Kind, unruhige Nächte, Schlafmangel) den Fokus auf positive Dinge zu richten und mich zu erinnern, dass nicht alles fordernd war. Im Wissen, dass ich abends ein Highlight erzählen möchte, achte ich tagsüber bereits bewusster auf schöne Momente.

So, die Vorbereitungen für die Reise sind getroffen, die Koffer sozusagen gepackt. Wenn du mich auf der Reise begleiten möchtest, hop on! Ich freu mich schon jetzt auf die kommenden Stationen 🙂

Du kannst Deine Erfahrungen, Deine Tipps für coole Expeditionen oder Dein Tageshighlight als Kommentar hinterlassen!

liebe Grüße,
Melanie

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